Das Wetter im Südwesten, Baden, Pfalz, Elsass

Stand 16.4.2021

nächste Woche zögerlich etwas milder

Die Lage:
Auch über das Wochenende liegen wir auf der Südostseite des Hochs, das sich von den britischen Inseln über Skandinavien bis nach Nordrussland erstreckt.
Das kühle Wetter bleibt uns damit erhalten.

Nein, ganz entschieden nein! Dies ist KEIN typisches Aprilwetter!
Typisch April wäre wechselhaft, mit ständigem Wechsel zwischen kühl und mild bis warm.
In diesem Jahr haben wir aber beständiges kaltes Wetter und es ist dabei viel zu trocken! Es flöckelt oder tröpfelt von Zeit zu Zeit ein bisschen, aber größere Mengen kommen nicht zusammen.
Es gibt immer wieder mal einen kühlen April, aber in den letzten Jahrzehnten war das dann immer mit größeren Niederschlagsmengen verbunden. Das ist aber in diesem Jahr nicht der Fall.
Wir haben auch eine außergewöhnlich hohe Anzahl an Frostnächten.
Dieser April ist schon außergewöhnlich und im für die Statistik maßgeblichen Vergleichszeitraum 1991-2000 gab es keinen einzigen April, der auch nur annähernd mit dem diesjährigen vergleichbar ist!

Die Vorhersage:
Heute gibt es vor allem in der Pfalz und im nördlichen BaWü einzelne Schnee- und Regenschauer. Weiter im Süden bleibt es zunächst meist trocken, am Nachmittag können sich aber überall neue Schauer entwickeln.
Die Temperaturen erreichen maximal 9°C am Rhein und um 5°C im Schwarzwald.
Am Samstag ist es meist bewölkt, es kann wieder Schauer geben bei maximal 10°C.
Auch am Sonntag ändert sich nicht viel, Sonne und Wolken wecheln sich ab, es gibt örtliche Schauer.
Mit maximal um die 12°C wird es zumindest ein kleines bisschen milder. Es gibt dann auch keinen Nachfrost mehr.

Der weitere Trend:
Nächste Woche ist dann doch eine Tendenz zu langsam milderem Wetter erkennbar. Aber der ganz große Frühlingsdurchbruch ist das wohl auch nicht.
Wir können dann aber immerhin mit Temperaturen um 15°C rechnen, vielleicht auch mal 18°C.
Es bleibt aber wohl nicht beständig und wir müssen auch zeitweise mit etwas Regen oder Schauer rechnen, der die Temperaturen dann natürlich wieder dämpft.
Die Vorhersagen sind da noch ziemlich unsicher, manche Vorhersagen sehen für Donnerstag auch wieder einen neuen Kälteeinbruch.


Der Winter 2020/21:
Der zurückliegende Winter (für die meteorologische Statistik die Monate Dezember/Januar/Februar) war rein statistisch gesehen etwas zu warm und es gab leicht überdurchschnittlichen Niederschlag.
Die Statistik bezieht sich ja immer auf Durchschnittswerte und alles was eben mit relativ geringen Abweichungen in der Nähe des Durchschnitts liegt, wird als "normal" bezeichnet.
Was die Monate Dezember und Januar bertifft, passte das auch weitgehend in diesem Winter. Die siechten so dahin, es gab nichts wirklich Spektakuläres.
Die Temperaturen waren in beiden Monaten meist etwas zu warm, bzw. bewegten sich im "meist üblichen" Bereich, den man um diese Jahrezeit bei uns erwartet. Kurz vor Weihnachten gab es einen kurzen Warmluftschub, aber das sogenannte Weihnachtstauwetter ist ja schon legendär.
Die Niederschlagsmenge war im Dezember so ziemlich im Mittel.

Im Januar regnete und schneite es etwas mehr, als im langjährigen Durchschnitt. Aber extrem war das nicht.
Im Flachland war es zunächst meist Regen oder Schneeregen, im Schwarzwald gab es Mitte Januar aber recht viel Schnee und da gab es sogar am südlichen Oberrhein eine ordentliche Schneedecke, wie schon lange nicht mehr. Dort blieb sie freilich nur ein paar Tage bestehen und dann taute der Schnee auch schon wieder weg.
Am nördlichen Oberrhein waren es sowieso nur ein paar Millimeter...
In den mittleren Höhenlagen des Schwarzwalds blieb der Schnee jedoch zwei Wochen liegen.
Das Niederschlagsplus im Januar war vor allem auf eine Regenperiode mit kräftigen Niederschlägen Ende des Monats zurückzuführen und da schüttet es auch in den Hochlagen in die bis zu 1,30 Meter hohe Schneedecke.
Das führte natürlich zu einer kurzen, aber heftigen Flutwelle. Kleinere Flüsse im Schwarzwald brachten dabei sehr heftige und teilweise extreme Überflutungen.
Der Rhein führte aber vorher Niedrigwasser und konnte einiges aufnehmen, sodass die Flutwelle dort zwar auch markant war, aber nicht extrem oder katastrophal.

Der Februar: Wir können ja zur Zeit kaum reisen und trotzdem waren wir in diesem Februar abwechselnd in der Sahara und in der russischen Arktis! Wettermäßig.
Der Monat begann mit viel Regen und mit Saharastaub, der den Himmel und die Wolken hier teilweise gelb bis rötlich färbte, als wenn der Wald brennen würde. Doch der Regen spülte den Staub runter.
Dann wurde es spannend, denn die Grenze zwischen Saharaluft und dem eisigen Atem der Arktis verlief genau über Deutschland. Riesige Temperaturunterschiede auf kurze Distanz führten natürlich zu starken Niederschlägen und kräftigem Wind. Und das bescherte dann vielen Orten in der Mitte Deutschlands Schneemengen, wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Und der Wind türmte den Schnee dann teilweise zu hohen Verwehungen auf.
Bei uns hier im Süden bleib die Schneedecke recht überschaubar, mit 5-7 Zentimetern.
Kalt wurde es trotzdem, teilweise die kältesten Februartemperaturen seit fast 50 Jahren. Weiter im Norden wurden sogar Rekord-Kältetemperaturen gemessen.
Es wurden auch Rekord-Schneemengen gemeldet, doch diese wurden teilweise wahrscheinlich in Schneeverwehungen gemessen und sind deshalb fraglich. Sie passen jedenfalls nicht mit den gefallenen Niederschlagsmengen zusammen.
Es sah nun so aus, als würde sich der Winter bei uns richtig festsetzen.
Doch dann kam die ratikale Wende, denn das Hoch, das uns die Kälte brachte verlagert sich von Skandinavien nach Südosteuropa. Und da gleichzeitig über dem Atlantik ein starkes Tiefdruckgebiet schaufelte, kam die Luft bei uns plötzlich nicht mehr aus dem kalten Russland, sondern aus der heißen Sahara und innerhalb weniger Tage stiegen die Temperaturen von Rekordkälte auf Rekordwärme. Selbst in Hamburg wurden fast 22°C gemessen, das gab es dort im Februar noch nie. Aber es wurde in ganz Mitteleuropa außergewöhnlich warm für Februar und es wurden flächendeckend neue Temperaturrekorde gemessen.
Mit der ungewöhnlichen Wärme kam dann auch wieder Saharastaub, der die Sonne etwas trübte.
Vor allem der ratikale Temperatursprung von Rekordkälte auf Rekordwärme war schon bemerkenswert.
Im Durchschnitt war der Februar dann doch wärmer als normal.
Man sieht, dass der Durchschnittswert nur bedingt aussagekräftig ist, denn es kann sein, dass ein Monat ziemlich einheitlich durchschnittlich war oder eben auch teilweise extreme Abweichungen nach oben und unten hatte. Der Durchschnitt beider Extreme ist dann doch im Mittel. Das hat es aber alles schon gegeben und es ist durchaus normal.

Man muss ja alles auch immer unter dem Aspekt der fortschreitenden Erwärmung betrachten.
Es gab in der Vergangenheit, vor 35 Jahren oder 60 Jahren oder 80 Jahren mit Sicherheit schon kältere Temperaturen in Deutschland, vielleicht nicht an jedem Ort, aber insgesamt schon. Nur ist es inzwischen allgemein deutlich wärmer geworden und so gesehen sind die in diesem Februar gemessenen Kältetemperaturen schon sehr außergewöhnlich.
Was die Wärmerekorde betrifft, muss man natürlich davon ausgehen, dass diese in absehbarer Zeit schon bald übertroffen werden.
Es wird seit Jahrzehnten immer wärmer in Europa und auf der ganzen Welt und diese Erwärmung geht immer schneller von statten. Wir haben alleine auf Grund der Klimaerwärmung fast jedes Jahr neue Rekorde.
Und so interessant neue Rekorde auch sein mögen: das ist keine "spaßige" Sensation, sondern eine absolut ernste Entwicklung!

Vielleicht sagen die Leute in 30 oder 50 Jahren mal: "Damals, 2021, das war noch ein richtig knackig kalter Winter"? Wer weiß...

Winter-Extremwerte (min/max) in Karlsruhe

Minimum/Maximum der Temperatur, absolut:
-22,0°C Dezember 1879; 19,2°C Dezember 1915 und 1989.
-25,4°C Januar 1940; 17,5°C Januar 1999.
-23,0°C Februar 1929; 22,0°C Februar 1990.

zum letzten Mal -20°C:
-20,0°C am 8.Januar 1985

zum letzten Mal +20°C:
21,8°C am 24.Februar 2021 (Hertzstraße)
20,5°C am 24.Februar 2021 (Rheinstetten)
Rekord: 22,0°C 24.Februar 1990 (Hertzstraße)

Min/Max in den letzten 20 Jahren:
-14,1°C 26.Dezember 2010; 16,2°C 3.Dezember 2006.
-16,2°C 11.Januar 2009; 16,0°C 10.Januar 2007.
-13,6°C 12.Februar 2012; 20,5°C 24.Februar 2021 (Rheinstetten).

weitere Jahre mit über 20°C im Februar (Hertzstraße):
21.2.1998 20,0°C
23.2.2017 20,5°C
26.2.2019 20,4°C; 27.2.2019 21,4°C; 28.2.2019 21,3°C
16.2.2020 21,7°C

Schneehöhe:
40cm Januar 1940;
31cm Januar 1982

In den letzten 20 Jahren:
24cm, 25.Dezember 2010
Übrigens war der Dezember 2010 der absolut schneereichete überhaupt, seit es Aufzeichnungen gibt, in Karlsruhe.


Extremer Eisregen: 19/20.Januar 2013




Rückblick 2020

Das Jahr 2020 war, wie die Jahre zu vor auch wieder viel zu trocken und viel zu warm.
In Sachen Niederschlagsmenge war der Februar herausragend. Mit 131mm brachte er eine rekordverdächtige Regenmenge und er war damit auch der einzige Monat des Jahres, der einen Niederschlagsüberschuss hatte. Der Februar war auch außergewöhnlich mild.
Der trockenste und sonnigste Monat war der April. Er brachte bis zum 25. gar keinen Niederschlag, in den letzten Tagen des Monats kamen dann noch insgesamt 6mm zusammen.
Eine weitgehend durchschnittliche Niederschlagsmenge brachten die Monate März, Juni und Dezember. Alle anderen Monate waren teilweise erheblich zu trocken. So kamen dann in der Jahressumme auch nur 588mm zusammen, was etwa 76% der normalen Niederschlagsmenge entspricht.

Die Temperaturen lagen praktisch das ganze Jahr durchweg weit über dem langjährigen Mittel. Nur der Oktober wich davon ab und war nur wenig wärmer, als normal. Auch die erste Junihälfte war temperaturmäßig moderat und brachte auch regelmäßigen und teilweise ergiebigen Regen.

Die Messwerte 2020

Rheinstetten:
Durchschnittliches Tagesmittel der Temperatur 12,2°C
Absolutes Maximum: 37,0°C (12.August)
Absolutes Minimum: -6,5°C (30.November)
Niederschlagsmenge: 588mm
Tage >25°C: 87
(Der erste Sommertag war am 17.April, der letzte am 22.September)
Tage >30°C: 23
Tage >35°C: 7
Frosttage, (Temp Min <0°C) 60
Eistage, (Temp Max <0°C) 1 (22.Januar)

Hertzstraße:
Durchschnittliches Tagesmittel der Temperatur 13,2°C
Absolutes Maximum: 39,4°C (11.August)
Absolutes Minimum: -5,9°C (30.November)
Tage >25°C: 120
(Der erste Sommertag war am 6.April, der letzte am 23.September)
Tage >30°C: 56
Tage >35°C: 14
Frosttage, (Temp Min <0°C) 40
Eistage, (Temp Max <0°C) 0